Ota Pavel und Andrzej Stasiuk als symbolische Gründungsväter des Freundeskreises der Polnischen Literatur beim Krakauer Turm Verein in Nürnberg.

Protokoll einer Lesung.

 

In seinem Buch >Wie ich Schriftsteller wurde< kommt A. Stasiuk auf den tschechischen Schriftsteller Ota Pavel zu sprechen; bei dem der Protagonist weinte (S. 120). Hasek, Kundera, Hrabal und andere waren die Ursache für folgende Liebeserklärung:  >Die Tschechen turnten uns an. Amerika schön und gut, aber die Tschechen waren irgendwie realer.

Die Tschechen waren für uns eine Art Polen, nur ein bisschen besser< (S. 131).

 

Gelesen im November 2001.

Seit 1997 entwickelte sich aber die Lokalität des polnischen Wirts Tadeusz Rzeszut  im Eingangsbereich des Krakauer Hauses zu einem allabendlichen Theken – Diskussionsort für Tschechisch-Polnische Literaturfragen. Beim Rzeszut zuging es zu wie in einer Roman-Vorlage unter dem Arbeitstitel: >Der erste Turm<). Was ist von damals noch in Erinnerung geblieben?

Der Pole Cezary Terlecki (vom Beruf Busfahrer) referierte z. B. im März 1998 bei einem denkwürdigen und unvergessenen Abend über >Zlati uhori< (dt.: >Goldene Aale<) von Ota Pavel. Das gipfelte dann in der Erkenntnis: >Wenn die Polen sich mit der Literatur der Tschechen beschäftigen, dann können sich die Tschechen mit der Literatur der Polen auch beschäftigen.< Auf dieser Grundlage kam es im Januar 2004 zur Gründung des Freundeskreises der Polnischen Literatur beim  Krakauer Turm e.V.< und der Pole Anrzej Stasiuk (siehe oben) hatte daran keinen geringen Anteil - als Gründungsvater sozusagen - das erfuhr er bei seiner Lesung am 24.10.2008 und nahm es dankend  mit auf dem Weg in die nächste deutsche Stadt. 

 

Am 17.2. 2007 erschien in der LITERARISCHEN WELT ein länger Auszug aus Stasiuks - Dojczland-Buch, zwei Tage später folgte ein Interview mit ihm. Daraus ein Gedanke:

 

•           Ich nehme die Deutschen ganz einfach ernst. Ich behandle sie als normale Menschen. Warum sollen die Deutschen nicht Ziel von Spott und Ironie sein? Stehen sie unter Schutz? Hatten sie eine schwierige Kindheit? Können sie nach dem Holocaust nicht auf die Beine kommen? Ebenso ist es mit dem Misstrauen. Warum nur sollen wir ihnen in allem vertrauen? Seien wir nicht naiv: Vertrauen kann man Menschen, nicht Völkern oder Staaten. Aber am meisten verspotte ich in diesem Buch mich selbst<.

 

Die Originalausgabe war inzwischen >fast schon ganz oben auf den polnischen Bestsellerlisten angelangt. Ein vielschichtiges Doppelporträt der Deutschen und der Polen. Stasiuk wird es nun aushalten müssen, mit dem Buch zu vielen Lesereisen in viele deutsche Literaturhäuser eingeladen zu werden< (SZ am 7.11.2007). – Seine Kritiker aber auch!

 

Nach 2002 wieder in Nürnberg.

Am 24.10.2008 waren Anrzej Stasiuk und Olaf Kühl Gäste im vollbesetzten Krakauer Haus.

Gelesenen haben beide abwechselnd oder zusammen folgende „Stellen“:                                  

Stuttgart Hbf / Dresden / Betrunken und nüchtern in deutschen Städten / Spargel / Psychoanalyse / Geld zählend / Kriegsfilme 1 / DDR / Kommunismus / Krematorien / Nina Hagen / Keine Freunde / Arbeitgeber - Polizisten - Beamte / Kriegsfilme 2 / Alte Damen / Geld zählen / Matejkos Ulrich von  Jungingen  / Eintracht gegen Arminia / Alte Buchhändler /  Nach Nürnberg / Lesung  mit vier Zuhörern / Zuhörer / Wort hat Gewicht / Polnischer Fußball und der polnische Papst  / Rauchen aufgehört  / Deutschland im Regen /  Wir als Zigeuner der EU  / Herumlaufen in Berlin / Flagge zeigen / Sado wie Maso /  Der Papst und Auschwitz / Katholischer Süden.

 

Dann kamen folgende Fragen aus der Plenum oder Stasiuks Antworten (eine Auswahl):

 

•           Dojczland als Bettlektüre, danach konnte eine Dame nicht einschlafen!

•           Wie war die Reaktion in Polen?

•           Gestern in München wünschte sich jemand das Buch ohne historische Anspielung 

•           Haben sie was Gutes in diesem Land vorgefunden?

•           These: Von der Menschheit delegiert um die Grenzen auszuloten (Deutschland)

•           Wie war die Empfindung des deutschen Übersetzers Olaf? (deutlicher ging`s nicht)

•           Die Deutschen, Stasiuks Großmutter und die Familie seiner Frau

•           Eine Koreanerin und die Lage Polens (ein DPG-Thema)

•           Danke für das Buch >Babadag< (zwei Damen: Eine Polonistin und eine Romanistin)

•            Ob der „Versuch einer intellektuelle Autobiographie“ in >Wie ich Schriftsteller wurde< von  

 2001 in den neuen Ländern (der ehemaligen DDR) einen Kultstatus erreicht hatte? (vgl. FR vom 22.12.2001) - Blieb unbeantwortet!                                                       M. Heimrath